Über „die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ reflektiert der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamel Abdel-Samad als Zeitzeige des arabischen Frühlings und der Arabellion in seinem neuen Buch Krieg oder Frieden. In seinem letzten hatte er medien- und publikumswirksam den Untergang der islamischen Welt prognostiziert. Ob die Aufstände in Nordafrika und im Nahen Osten allerdings einen Abstieg oder nicht gerade eine Art Neugeburt des Islam, vor allen Dingen des politischen Islam mit sich bringen werden, ist noch offen. Deshalb zeigt der Autor, nachdem er ausführlich die Entwicklungen und Aufstände in den verschiedenen Ländern beschrieben hat, warum der Westen jetzt handeln muss. Denn es ei das Schlimmste, wenn er jetzt, vielleicht konzentriert auf die Bewältigung seiner eigenen Finanz- und Krisenphänomen, die Entwicklung verschlafen würde.

Hamel Abdel-Samed, schlügt wie schon einige andere, einen Marshallplan des Westens vor. „Unter einen Marshallplan für die nicht-diktatorisch regierten arabischen Staaten verstehe ich einen auf Basis gemeinsamer Interessen aufgestellten Masterplan vor allem für wirtschaftliche Entwicklung. Beginnen könnte man mit Tunesien und Ägypten, wo junge Menschen nach der Revolution darauf brennen, in nationale Entwicklungsprojekte mit einbezogen zu werden und wo eine stabile Wirtschaft notwendig ist, um demokratische Strukturen zu bilden.“

Folgende Kooperationsfelder schweben ihm vor:

• Sicherheit
• Parteigründung und Wahlen
• Bildung und Ausbildung
• Investitionen
• Umweltforschung und Umweltschutz
• Erneuerbare Energien

Deutlich wird vor allem. Es liegt in der Hand des Westens, ob aus dem arabischen Frühling ein neues Verhältnis zwischen Abendland und Morgenland wächst, oder ob es in diesen Ländern zu destabilisierenden Zuständen mit Bürgerkriegen und einer total zusammenbrechenden Wirtschaft kommt, die dann Massen von jungen Menschen in die Flucht in den Norden treiben, „wo sie die überalterten Gesellschaften Europas zu überrennen drohen.“